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Wirtschaftsförderung Osnabrück

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Teilhabechancengesetz: "Rückkehr ins normale Leben"

Interview mit jobcenter-Geschäftsführerin Nicole Anell

Seit Januar 2019 ist das Teilhabechancengesetz in Kraft und wird auch beim Jobcenter Osnabrück umgesetzt. Im Interview mit der WirtschaftsPOST berichtet die Geschäftsführerin des Jobcenters Nicole Anell von den Erfahrungen der ersten Monate, den Chancen des Gesetzes und gibt einen Ausblick für die Zukunft.

Frau Anell, wie beurteilen Sie nach den ersten neun Monaten das neue Gesetz?
Es bietet aus meiner Sicht generell eine Menge Chancen! Das ist auch die Rückmeldung, die wir von den Coaches, den Teilnehmenden und Arbeitgebern bekommen. Die Teilnehmer werden dadurch  grundlegend stabilisiert.

Wie funktioniert das ganz konkret?
Man kennt das ja selbst: Nach einem längeren Urlaub beispielsweise muss man erstmal wieder reinkommen in den Arbeitsalltag. Die Herausforderungen hier – auch für die Teilnehmenden – sind natürlich viel höher, denn die Menschen sind sehr viel länger ohne Arbeit und Arbeitsalltag gewesen. Wir unterstützen deshalb die Wiedereingliederung mit eigenen Coaches. Als Ansprechpartner für die Geförderten und aber auch für die Arbeitgeber. Meine Mitarbeitenden suchen sehr regelmäßig den Kontakt zu beiden Seiten. Das ist eine persönliche, individuelle Betreuung, aber eben auch teilweise ein langwieriger Prozess. Deshalb werden unsere Mitarbeiter auch als Casemanager weitergebildet und zertifiziert.

Wie lange bleiben die Coaches an der Seite der Menschen?
Für die gesamte Förderdauer – so ist es zumindest vorgesehen. Das fällt natürlich anfangs und auch schon im Vorfeld sehr viel intensiver aus. Da gibt es eine Menge Klärungs- und Erklärungsbedarf auf allen Seiten.

Wie viele Teilnehmer gibt es bislang?
Wir haben bislang 42 Fälle für die längere Förderung und für 2019 insgesamt 70 Förderfälle geplant. Im Durchschnitt kostet das pro Arbeitsverhältnis ca. 20.000 im Jahr. Auf Seiten der Betriebe haben wir eine sehr gute Mischung aus allen Bereichen.

Kommen die Unternehmen auf Sie zu?
Ja, interessierte Unternehmer können sich gerne bei uns melden. Wir brauchen dazu eine Arbeitsplatzbeschreibung und ein Anforderungsprofil. Anschließend schauen wir uns den Betrieb genauer an, sprechen persönlich mit dem Unternehmer. Damit es wirklich passt, suchen wir dann die passenden langzeitarbeitslosen Menschen. Denn wir brauchen am Ende tatsächlich sehr sozial verantwortlich denkende Arbeitgeber. Und natürlich sprechen wir auch proaktiv Firmen an.

Wie sind Sie mit dem Programm bislang zufrieden?
Wir stehen ja noch einigermaßen am Anfang, aber bislang ist der Verlauf sehr vielversprechend. Die Teilnehmenden blühen wieder auf, bekommen auch mal wieder ein Lob und Bestätigung, sind in ein Team eingebunden und knüpfen wieder soziale Kontakte zu den Kollegen. Das ist die Rückkehr ins normale Leben. Natürlich werden wir irgendwann auch Abbrüche erleben, bislang ist das aber erst einmal passiert. Aber Ziel der Förderung insgesamt ist es, die Menschen wieder auf den ersten Arbeitsmarkt zu bekommen, also in eine reguläre Beschäftigung ohne Förderung.

Ist das Teilhabechancengesetz als Nachfolgemodell der sog. „Bürgerarbeit“ zu sehen?
Ich würde es eine Weiterentwicklung und einen Ausbau des Bürgerarbeit-Modells nennen. Denn anders als vorher haben wir beim Teilhabechancengesetz echte Arbeitsverhältnisse, bei echten Arbeitgebern und somit auch das echte Leben.

Wie ist der Ausblick für die nächsten Jahre?
Auch nächstes Jahr setzen wir diese Förderung fort und bieten sie an. Mittel und Personal sind bereits dafür eingeplant, um weiter das Coaching sicherzustellen. Wir werden aller Wahrscheinlichkeit nach in 2020 nochmal 46 Plätze fördern und begleiten. Ähnlich soll es dann auch in den folgenden drei Jahren Laufzeit des Programms weiter gehen.

Dieses Interview und viele weitere spannende Themen finden Sie auch in der vollständigen Ausgabe der WirtschaftsPOST 2/2019 gleich hier in unserem Download-Bereich

 

Teilhabechancengesetz im Überblick

Die beiden neuen Förderungen unterstützten Arbeitgeber durch Lohnkostenzuschüsse, wenn sie Personen der jeweiligen Zielgruppe einstellen. Von der neuen Förderung "Teilhabe am Arbeitsmarkt" können Menschen profitieren, die über 25 Jahre alt sind, für mindestens sechs Jahre in den letzten sieben Jahren Arbeitslosengeld II bezogen haben und in dieser Zeit nicht oder nur kurzzeitig beschäftigt waren. Die andere Zielgruppe umfasst Personen, die seit mindestens zwei Jahren arbeitslos sind.

Unternehmen, die Personen einstellen, die mehr als sechs Jahre SGB II-Leistungen erhalten haben, können mit einem Zuschuss für das Gehalt des neuen Mitarbeiters gefördert werden. In den ersten beiden Jahren sind das 100 Prozent des Mindestlohns ­ es sei denn, der Arbeitgeber ist tarifgebunden. Dann wird das tatsächlich gezahlte Arbeitsentgelt berücksichtigt. Ab dem dritten Förderjahr verringert sich der Zuschuss um zehn Prozent. Die Förderung dauert maximal fünf Jahre.

Unternehmen, die Personen einstellen, die mehr als zwei Jahre arbeitslos waren, erhalten einen Zuschuss für zwei Jahre. Im ersten Jahr in Höhe von 75 Prozent des Lohns und im zweiten Jahr 50 Prozent.

Ansprechpartner beim Jobcenter Osnabrück: Herr Jens Warnecke, Tel.: 0541 / 18 177 304, Projektleiter Teilhabechancengesetz

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