Infos für Kreativwirtschaft & Kulturschaffende

Stadt und Landkreis Osnabrück haben wegen der Corona-Pandemie alle Kultureinrichtungen geschlossen. Das stellt viele Einrichtungen, aber auch Selbstständige oder freiberufliche Künstlerinnen und Künstler vor große finanzielle Herausforderungen. Wir haben zusammengefasst, welche Regelungen aktuell für das Stadtgebiet Osnabrück gelten, nennen alternative Finanzierungsmöglichkeiten und zeigen Beispiele, wie Osnabrücker Kunst- und Kulturschaffende der Krise kreativ begegnen.

Welche Einschränkungen gelten aktuell?

Gemäß der Niedersächsischen Verordnung zur Beschränkung sozialer Kontakte anlässlich der Corona-Pandemie sowie der Allgemeinverfügung der Stadt Osnabrück müssen alle Theater, Opern- und Konzerthäuser, Museen und ähnliche Einrichtungen, unabhängig von ihrer jeweiligen Trägerschaft oder den Eigentumsverhältnissen derzeit geschlossen bleiben.

Wie lässt sich der Verdienstausfall minimieren und kompensieren?

  • Dokumentieren Sie alle Ausfälle: Das wichtigste ist, dass alle Konzert-, Gagen-, und Honorarausfälle dokumentiert werden. Die Landesmusikakademie und Musikland Niedersachsen haben eine Dokumentationshilfe dafür entworfen. 
  • Schicken Sie eine Änderungsmitteilung an die KSK: KSK-Versicherte mit Einkommenseinbußen können der KSK schreiben und das geschätzte Arbeitseinkommen für 2020 nach unten korrigieren, um die Beitragszahlungen zu verringern. Das entsprechende Änderungsformular haben wir verlinkt. 
  • Stunden Sie Ihre Steuerzahlungen und senken Sie die Vorauszahlungen: Auf Antrag bei Ihrem Finanzamt können laufende Vorauszahlungen zur Einkommensteuer bzw. Körperschaftssteuer herabgesetzt werden.
  • Beantragen Sie die Soforthilfe des Landes Niedersachsen: Die Zuschüsse des Landes Niedersachsen richten explizit auch an Künstlerinnen und Künstler. Voraussetzung sind laufende Betriebskosten wie z. B. Mieten, Pachten oder Kredite für Betriebsräume. Lebenshaltungskosten zählen nicht zu den Betriebskosten.
  • Bewerben Sie sich auf eine Projektförderung durch die Stadt Osnabrück: Der Rat der Stadt Osnabrück hat für das Jahr 2020 zusätzliche Projektgelder in Höhe von 250.000 Euro für Kunst- und Kulturprojekte genehmigt. Welche Projekte gefördert werden und wie Sie sich darauf bewerben, haben wir unten für Sie zusammengefasst.
  • Beantragen Sie Arbeitslosengeld II: Die Beantragung der "Grundsicherung für Arbeitsuchende nach dem Zweiten Buch Sozialgesetzbuch (SGB II)", genannt ALG II, ist zentraler Bestandteil des Maßnahmenpakets der Bundesregierung für Kleinunternehmer und Solo-Selbstständige. Nach Beschluss des Bundeskabinetts vom 23. März sollen für einen befristeten Zeitraum bis September keine Vermögensprüfung stattfinden. Auch sollen Miet- und Mietnebenkosten ohne weitere Prüfung übernommen werden.
  • Weitere finanzielle Unterstützung: Verschiedene Stiftungen und Vereine haben Nothilfefonds für Künstlerinnen und Künstler ins Leben gerufen. Musikland Niedersachsen hat einige von Ihnen aufgelistet, speziell für Musiker. Zudem fördert der Fond Darstellende Künste unter dem Titel #takecare frei produzierende Künstlerinnen und Künstler (Anträge können bis zum 05. April eingereicht werden).
  • Weitere Informationen: Der VS - Verband deutscher Schriftstellerinnen und Schriftsteller hat eine umfangreiche Handreichung für die Unterstützung selbständiger und freier Kulturschaffender während der Corona-Pandemie formuliert. Dort finden Sie viele weitere Informationen.

Corona-Sonderprogramm für gemeinnützige Kultureinrichtungen und Kulturvereine

Um den Bestand von Kultureinrichtungen in Niedersachsen zu sichern, gewährt das Land Niedersachsen gemeinnützigen Kultureinrichtungen und Kulturvereinen, die in Folge der Covid-19-Pandemie in eine existenzbedrohliche Wirtschaftslage und/oder in Liquiditätsengpässe geraten sind, finanzielle Unterstützungsleistungen.

Antragsberechtigt sind ausschließlich als gemeinnützig anerkannte Einrichtungen, die durch Corona in Liquiditätsengpässe oder in eine existenzbedrohliche Wirtschaftslage geraten sind. Zuschussfähig sind z. B. Betriebskosten, Mieten und andere unvermeidbare Zahlungsverpflichtungen. Personalkosten dagegen können nicht gefördert werden. Eine Antragstellung ist bis zum 15. Juli 2020 möglich.

Förderanträge bis zu 8000 Euro werden direkt bei den Landschaften und Landschaftsverbänden gestellt. Förderanträge, die mehr als 8000 Euro umfassen, werden beim Niedersächsischen Ministerium für Wissenschaft und Kultur beantragt.
Weitere Informationen, die Richtlinie, das Antragsformular und die Ausfüllhilfe finden Sie auf der Website des Ministeriums.

Sind digitale Bühnen und Finanzierungsplattformen eine Alternative?

Viele Künstlerinnen und Künstler erreichen während der Corona-Pandemie eine breite Öffentlichkeit, indem sie Online-Kanäle bespielen. Dazu gehören Videos auf Youtube oder Vimeo ebenso wie Livestreams bei Instagram oder Twitch. Häufig geschieht dies im Einklang mit einer Spendenkampagne. Plattformen wie Buymeacoffee, Ko-fi, Steadyhq, Crowdcast, Patreon oder GoFundMe können dafür ein geeigneter Anlaufpunkt sein. In einem sehenswerten Video zeigt das Kulturmanagement Network, wie Künsterlinnen und Künstler mit geringem technischem Aufwand ins Streaming einsteigen können.

Was machen andere?

Für viele Kultureinrichtungen müssen die derzeitgen Bestimmungen nicht die vollständige Betriebsstilllegung bedeuten. Neue Ideen sind gefragt. Wir stellen hier einige Beispiele aus Osnabrück vor und nehmen gerne weitere Hinweise auf.

Onlineformate

Das Erzähltheater Osnabrück bietet ein neues Onlineformat. Seit dem 16. März 2020 gibt es das Märchenfenster. Hier stellt das Erzähltheater Osnabrück täglich ein neues Märchen für große und kleine Ohren erzählt, online. Es präsentieren sich hier verschiedene Erzählerinnen und Erzähler, Profis und Laien. Foto: Max Ciolek


Mitmachaktionen

Der Kunstraum hase29 hat unter dem Titel "Ein Bisschen Kunst geht immer" eine Online Kunstinitiative für zu Hause gestartet. Ab sofort finden Kinder und Jugendliche zwischen 7 und 17 Jahren auf der Website von hase29 Anleitungen von Künstlerinnen und Künstlern für kreative Experimente in den eigenen vier Wänden.


Gutscheinaktion

Das Cinema Arthouse hat All-inclusive-Aktionsgutschein für die Zeit nach der Pandemie angeboten. Die Aktion war zum Start auf 100 Tickets begrenzt, wurde aufgrund der großen Nachfrage aber wenig später auf 200 Tickets erhöht und war trotzdem nach kurzer Zeit ausverkauft.


Unterstützertickets

Dem Kulturzentrum Lagerhalle fehlen wichtige Einnahmen aus Gastronomie, Vermietungen und Ticketverkäufen. Um die Krise finanziell zu überstehen, verkauft die Lagerhalle Tickets für ein Geisterkonzert – ein Konzert das es nie geben wird. Die Einnahmen nutzt die Lagerhalle, um den Betrieb für die Zeit des Veranstaltungsverbots am Leben zu erhalten.